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Endlich. Shopify hat den Schritt in den offiziellen Changelog geschrieben, auf den wir seit Wochen warten. Am 28. Mai 2026 ist der Eintrag Customize /llms.txt, /llms-full.txt, and /agents.md erschienen. Damit ist Schluss mit dem Rätselraten: Es steht jetzt schwarz auf weiß, wie sich diese drei Dateien in einem Shopify-Shop anpassen lassen.
Wer unsere letzten beiden Beiträge gelesen hat, kennt die Vorgeschichte. Am 10. Mai haben wir festgestellt, dass Shopify die llms.txt plötzlich nativ ausspielt, ohne Ankündigung. Am 23. Mai kam die nächste Verschiebung: llms.txt und llms-full.txt leiteten per 301 auf agents.md um. Zwischenzeitlich funktionierten Theme-Templates, dann waren sie wieder dicht. Alles unkommuniziert, nur durch eigenes Monitoring nachvollziehbar. Genau dieser Zustand ist jetzt vorbei.
Was im Changelog steht
Der Kern des Eintrags: Shopify-Shops liefern standardmäßig je eine Datei unter /agents.md, /llms.txt und /llms-full.txt aus. Diese Defaults lassen sich jetzt offiziell per Liquid-Template im Theme überschreiben. Es gibt genau drei Templates, jeweils im Ordner templates des Themes:
| Template | Steuert |
|---|---|
| templates/agents.md.liquid | /agents.md, zugleich Fallback für die beiden anderen |
| templates/llms.txt.liquid | nur /llms.txt |
| templates/llms-full.txt.liquid | nur /llms-full.txt |
Entscheidend ist die Fallback-Regel. Shopify formuliert sie im Changelog unmissverständlich:
If no template is present for a given path, it falls back to your agents.md template, then to the Shopify-generated default.
Übersetzt heißt das: Fehlt das Template für einen Pfad, greift zuerst das agents.md-Template, danach der von Shopify generierte Standard. Die agents.md ist also nicht nur eine eigene Datei, sondern auch der gemeinsame Auffangpunkt für llms.txt und llms-full.txt.
Was unser Live-Test zeigt
Changelog ist das eine, gelebtes Verhalten das andere. Wir haben die drei Templates an einem Shop angelegt und durchgetestet. Das Ergebnis löst den Mai-Befund sauber auf, deckt aber eine Einschränkung auf, die im Changelog nicht steht.
Alle drei Templates greifen einzeln. Sobald wir die jeweilige Liquid-Datei mit Inhalt füllen, liefert der zugehörige Pfad wieder einen eigenen Inhalt aus. /llms.txt antwortet damit nicht mehr mit dem 301 auf /agents.md, den wir am 23. Mai dokumentiert hatten, sondern mit 200 OK und dem Inhalt, der im Template steht. Die Kontrolle über die Inhaltsschicht ist zurück im Theme.
Lassen wir das llms.txt- oder llms-full.txt-Template dagegen leer oder gar nicht erst anlegen, greift exakt die dokumentierte Kaskade: Ausgespielt wird dann der Inhalt der agents.md. Die Fallback-Regel ist also kein theoretischer Passus, sondern in der Praxis genau so beobachtbar.
Zwei Punkte, die im Alltag zählen. Erstens: Änderungen am Template werden sofort ausgespielt, ohne spürbare Cache-Verzögerung. Zweitens, und das ist die wichtige Einschränkung: Liquid-Code greift in diesen Dateien nicht. Wer {{ shop.name }} oder eine {% for %}-Schleife einträgt, bekommt an dieser Stelle nichts zurück, die Tags werden leer ausgespielt. Zuverlässig funktioniert nur statischer Text. Den Inhalt müsst ihr also von Hand schreiben, dynamisch aus den Shop-Daten erzeugen lässt er sich nicht.
Der Fahrplan: die drei Dateien anpassen
Der Weg führt über Online-Store, Themes, Code bearbeiten. Dort legt ihr im Ordner templates eine neue Datei mit dem passenden Namen an. Wichtig ist die doppelte Endung: Die Datei heißt llms.txt.liquid, nicht llms.liquid. Shopify erkennt am Namen, welche Route das Template bedient.
templates/agents.md.liquid (Basis und Fallback)
Mit diesem Template fangt ihr an, weil es zusätzlich als Auffangpunkt für die beiden anderen dient. agents.md ist ein Verhaltens-Runbook für Agenten: Es legt fest, wie sie sich gegenüber dem Shop verhalten sollen und welche Endpoints und Regeln gelten. Hier ist der richtige Ort, um eigene Service- und Rückgabe-Hinweise zu hinterlegen, statt nur Shopifys Standardtext zu übernehmen.
templates/llms.txt.liquid (kuratierte Inhalts-Sitemap)
Die llms.txt war ursprünglich als schlanke Markdown-Übersicht der wichtigsten Inhalte gedacht. Genau diese Idee könnt ihr jetzt wieder umsetzen: eine kuratierte Liste der relevanten Kollektionen und Eckdaten, knapp gehalten, damit Crawler nicht das ganze Site-Bundle durchforsten müssen.
templates/llms-full.txt.liquid (Langfassung)
Die llms-full.txt ist für den ausführlichen Überblick gedacht: nicht nur die Kollektionen, sondern auch die Produkte mit Kurzbeschreibung und Preis. Weil ihr alles von Hand pflegen müsst, ist hier eine bewusste Auswahl sinnvoller als der Versuch, den kompletten Katalog statisch nachzubilden.
Die Fallback-Kaskade verstehen
Drei Fälle deckt die Kaskade ab. Existiert das spezifische Pfad-Template (llms.txt.liquid oder llms-full.txt.liquid), wird dessen Inhalt ausgespielt. Fehlt es oder ist leer, greift das agents.md-Template. Gibt es auch das nicht, fällt Shopify auf den selbst generierten Standard zurück. In der Praxis heißt das: Wer nur agents.md.liquid pflegt, deckt mit einer Datei alle drei Pfade ab. Wer llms.txt und agents.md inhaltlich trennen will, legt beide an.
Der Haken: Liquid greift nicht
Hier liegt der Punkt, den der Changelog ausspart. Obwohl die Dateien auf .liquid enden, wird Liquid-Code darin nicht ausgeführt. In unserem Test blieben {{ shop.name }}, {% for %}-Schleifen und Metafeld-Zugriffe leer, sie wurden schlicht entfernt. Ausgespielt wird nur, was als statischer Text in der Datei steht. Das ist im Template-Ordner so gewollt: Shopify wertet diese Dateien bewusst nicht als dynamische Liquid-Vorlage aus, sondern gibt den hinterlegten Text unverändert aus. Kein Bug, sondern Absicht.
Praktisch heißt das: Ihr könnt den Inhalt überschreiben, aber nicht aus den Shop-Daten generieren. Jede Kollektion, jedes Produkt, jeder Link muss von Hand in die Datei. Genau deshalb fällt die llms.txt von Shop zu Shop so unterschiedlich aus. Es gibt keine dynamische Vorlage, die alle gleich befüllt, sondern jeder pflegt seinen eigenen statischen Stand. Für einen kompakten, kuratierten Überblick ist das gut machbar. Für einen vollständigen Katalog in der llms-full.txt wird es schnell zur Fleißarbeit, die man von Hand aktuell halten muss.
Wir empfehlen deshalb aktuell ausdrücklich keinen Liquid-Code in diesen Dateien. Setzt auf eine bewusst kuratierte, statische Auswahl statt auf den Versuch, den Shop dynamisch abzubilden. Und prüft am eigenen Shop kurz gegen, was tatsächlich ausgespielt wird, bevor ihr euch darauf verlasst.
Was sich gegenüber dem Mai-Stand ändert
Der wichtigste Unterschied zum 23. Mai: Der 301 von llms.txt auf agents.md ist als Zwangsverhalten weg. Wer ein llms.txt.liquid pflegt, bekommt seinen eigenen Inhalt unter /llms.txt zurück. Damit ist die Inhaltsschicht, also die ursprüngliche Idee einer kuratierten Markdown-Übersicht, wieder in Händlerhand.
Das ist auch deshalb relevant, weil Google im neuen Lighthouse-Audit für agentic browsing eine maschinenlesbare Zusammenfassung am Domain-Root prüft, gemeint ist llms.txt, nicht agents.md. Solange Shopify-Shops nur den 301 ausspielten, war diese Schicht faktisch entwertet. Jetzt lässt sie sich wieder mit einer echten, kuratierten Übersicht füllen.
Unsere Empfehlung
Behandelt die drei Dateien als das, was sie sind: zwei unterschiedliche Schichten. Haltet die llms.txt schlank und kuratiert, als saubere Inhalts-Sitemap eurer wichtigsten Kollektionen. Nutzt die agents.md als Runbook mit euren eigenen Service- und Rückgabe-Hinweisen, statt den Shopify-Standardtext unverändert zu lassen. Die llms-full.txt liefert die Langfassung für alle, die mehr Tiefe brauchen.
Und prüft die Dateien weiter regelmäßig. Der Mai hat gezeigt, dass Shopify Routen bewegt, ohne immer zu informieren. Dass jetzt ein Changelog vorliegt, ist ein gutes Zeichen, ersetzt aber kein eigenes Monitoring. Wer in den letzten Wochen Templates gepflegt hatte, deren Wirkung ins Leere lief, sollte jetzt gegenprüfen: Diese Anpassungen greifen wieder.
Wenn ihr eure llms.txt und agents.md sauber aufsetzen wollt oder unsicher seid, was an eurem Shop tatsächlich ausgespielt wird, meldet euch bei uns. Wir schauen mit euch auf das gelebte Verhalten, nicht nur auf die Doku.
Tobias Graeger
Inhaber & Shopify-Entwickler
Tobias leitet alle Projekte persönlich. Mit über 50 abgeschlossenen Shopify-Projekten kennt er die Plattform vom Liquid-Template bis zur API-Integration. Sein Fokus: technisch saubere Lösungen, die mit dem Business mitwachsen.
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